KI & Produktivität 24. März 2026 · 7 Min Lesezeit

Mein Wissen hat eine Architektur. Und eine KI, die sie kennt.

TL;DR

Drei Schichten (Knowledge, Identity, Sensemaking) als Grundlage für ein persönliches Betriebssystem. Claude arbeitet darin mit Kontext über vier Ebenen: CLAUDE.md, Rules, Workflows, Memory. Der Compound-Effekt: Jeder Output füttert den nächsten, Aufwand sinkt mit jedem Durchlauf.

Mein berufliches Wissen lag verstreut: in alten Slide-Decks, in E-Mail-Threads, in meinem Kopf. Wenn ich meinen CV aktualisieren wollte, fing ich jedes Mal bei Null an. Also habe ich ein System gebaut — ein persönliches Betriebssystem für mein berufliches Wissen. Es lebt in Obsidian, ist über Git versioniert, und Claude (mein KI-Assistent) arbeitet darin als fester Bestandteil. Der Einstieg braucht einen Nachmittag. Das volle System wächst über Wochen. Es spart mir bei jedem Output Stunden.

Das Prinzip: Drei Schichten, eine Quelle

Sensemaking Schicht 3

Muster erkennen, Entscheidungen einordnen, strategisch reflektieren.

Identity Schicht 2

Skills, Projekte, Karriere-Timeline — Single Source of Truth für CV, Bewerbungen, LinkedIn.

Knowledge Schicht 1

Fachwissen unabhängig von mir: Methoden, Frameworks, Fallstudien.

Die Idee ist nicht neu — Luhmann hat mit seinem Zettelkasten gezeigt, dass vernetzte Notizen wertvoller sind als lineare Sammlungen¹, Forte hat das mit "Building a Second Brain" digitalisiert². Mein System ergänzt die KI-Schicht. Das Prinzip, das alles zusammenhält: Jede Information existiert genau einmal. Mein CV referenziert Projekte und Skills — wenn sich etwas ändert, ändere ich es an einer Stelle.

So startest du

01

Grundstruktur anlegen

Obsidian installieren, fünf Ordner erstellen — und in jedem eine README.md anlegen, die erklärt, was hier reingehört und was nicht. Die READMEs sind entscheidend: Sie helfen nicht nur dir, sondern auch der KI zu verstehen, wo welche Information hingehört.

00_SYSTEM/ Regeln & Routinen
20_IDENTITY/ Wer bin ich beruflich?
30_KNOWLEDGE/ Was weiß ich?
25_SENSEMAKING/ Muster, Spannungen, Reflexion
02

Claude dazunehmen und sich interviewen lassen

Nicht alleine vor dem leeren Dokument sitzen. Claude die Ordnerstruktur zeigen und sagen: "Interview mich. Stell mir die richtigen Fragen, um about_me.md und skills.md zu füllen." Claude fragt, du antwortest, Claude legt die Infos richtig ab. Danach gemeinsam eine CLAUDE.md schreiben — zum Beispiel:

Ich bin Produktmanagerin mit 13 Jahren Erfahrung.
Mein CV liegt in 20_IDENTITY/06_Außendarstellung/cv-site/.
Wenn du Texte aus meiner Perspektive schreibst, lies zuerst den Writing Style Guide.
Schlage Änderungen vor, aber setze nur um, was wir besprochen haben.
Commit & Push anbieten, wenn etwas fertig ist.
03

Erste Routine mit Claude einrichten

Morgens 5 Minuten: Claude öffnen, Wochenplan prüfen, drei Prioritäten setzen. Das ist der erste wiederverwendbare Workflow — ein Check-in, den Claude mit dir durchführt. Gleiche Fragen, jeden Morgen. Das macht den Unterschied zwischen einem Ordner und einem lebenden System.

04

Organisch wachsen lassen

Wenn du merkst, dass du Claude immer wieder dasselbe erklärst → aufschreiben und in 00_SYSTEM/ ablegen. Wenn du einen wiederkehrenden Ablauf hast → als wiederverwendbaren Workflow dokumentieren. Nicht vorher alles durchplanen.

Was mit der Zeit dazukommt

Mit jeder Woche wächst um die Grundstruktur ein Steuerungssystem. Claude liest nicht einfach alle Dateien — er arbeitet über vier Ebenen, die organisch entstehen:

Immer wissen

CLAUDE.md

Lebt und wächst mit. 20+ Änderungen in 3 Monaten.

Bei Bedarf

Rules

Entstehen wenn du merkst: "Das erkläre ich immer wieder."

Auf Kommando

Workflows

Entstehen aus Routinen. Z.B. Morgen-Check-in.

Für die Zukunft

Memory

Claude merkt sich Arbeitsstil und Präferenzen.

Im Kern ist das Context Engineering⁴: Nicht bessere Prompts schreiben, sondern die Umgebung gestalten, in der die KI denkt. Das gesamte System ist bewusst tool-agnostisch — reines Markdown, git-versioniert, keine proprietären Formate. Claude ist heute mein Interface, aber die Architektur hängt nicht davon ab. Das Wissen soll jedes einzelne Tool überdauern.

Der Compound-Effekt: Warum sich der Aufbau lohnt

Der Wert zeigt sich nicht beim ersten Output, sondern beim zweiten. Mein CV hat beim ersten Mal deutlich mehr als einen Tag gekostet — Projekte rekonstruieren, Formulierungen finden, Skills sortieren. Mit dem KnowledgeOS war das Fundament zwar da, aber es war trotzdem Arbeit: über 8 Stunden für den ersten richtigen CV. Dann kam die persönliche Website — technisch komplexer, aber in 2 Stunden fertig. Weil die Positionierung, die Skills und das Design-System schon existierten.

Erster Output: CV

8+ Stunden

Website-basiert, mit Language Switch DE/EN, Print-Funktion und automatischer Aktualisierung bei neuen Skills oder Stationen.

Zweiter Output: Website

~2 Stunden

Positionierung existierte bereits. Content zu 80% ableitbar. Compound-Effekt.

Das ist der Compound-Effekt³: Jeder Output füttert den nächsten. Und das System hört nicht bei Dokumenten auf. Was ich heute schon tue: Lernfelder werden automatisch erkannt und in Lernroutinen überführt. Artikel entstehen aus Erkenntnissen, die beim täglichen Arbeiten anfallen. GitHub-Issues und Linear-Tickets steuere ich aus dem Wochenplan heraus. Was ich als Nächstes ausprobiere: die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls KI-Assistenten nutzen — wenn zwei Systeme denselben Kontext teilen, entsteht eine neue Form der Kollaboration.

Was ich verändert habe

Früher war mein Arbeitstag fragmentiert: Strategie denken, dann Wireframe skizzieren, dann Stakeholder-Mail schreiben, dann User Research auswerten. Alles in verschiedenen Tools, mit verschiedenen Kontexten. Heute laufen diese Disziplinen durch dasselbe System. Claude kennt mein Produktdenken, meine Schreibstimme und meine technischen Möglichkeiten — gleichzeitig.

Konkret heißt das: Ich reflektiere strategische Entscheidungen in strukturierten Dialogen mit Claude, baue funktionale Prototypen in HTML und Tailwind ohne Entwickler, und schreibe Artikel, die Claude gegen meinen Style Guide prüft. PM, UX und Dev verzahnen sich, weil das System den Kontext hält — nicht weil ich alles gleichzeitig kann, sondern weil Claude zwischen den Disziplinen übersetzen kann. Was nicht funktioniert hat: Claude zu viel Freiheit geben. Ohne klare Regeln hat er Dateien umstrukturiert, Inhalte dupliziert und Dinge auf eigene Faust geändert. Jede meiner Arbeitsregeln ist aus einem konkreten Problem entstanden. Und am Anfang bin ich in die KI-Produktivitätsfalle getappt: über 100 Dateien generiert, zwei davon wiederverwendet. Das System wurde erst produktiv, als ich aufgehört habe, alles zu dokumentieren — und angefangen habe, nur das Nützliche zu pflegen.

Kritische Einordnung

Das System braucht Pflege. Veralteter Kontext führt die KI nicht nur ins Leere, sondern aktiv in die Irre — sie arbeitet dann mit Annahmen, die nicht mehr stimmen. Wer nicht regelmäßig aufräumt, baut sich ein System, das gegen einen arbeitet statt für einen. Und der Aufbau kostet echte Zeit: ~30 Stunden, verteilt über Wochen. Wer nicht bereit ist, diese Zeit zu investieren und das System regelmäßig zu pflegen, wird keinen Nutzen daraus ziehen.

An KI als Arbeitsassistenz kommt niemand mehr vorbei. Klarer in Gespräche gehen, weil der Prototyp schon steht. Sauberer priorisieren, weil die Daten strukturiert vorliegen. Admin-Aufgaben verlagern, statt sie selbst abzuarbeiten. Mehrere Disziplinen vereinen, die man alleine nie parallel beherrschen würde. Meine Drei-Schichten-Logik ist individuell — aber das Prinzip, sein Wissen so zu strukturieren, dass eine KI damit arbeiten kann, ist generisch anwendbar. Die konkrete Architektur muss jeder selbst finden.

Was bleibt für jeden Tag

Erst Struktur, dann Inhalte.

Ordner, READMEs und CLAUDE.md stehen, bevor der erste Inhalt reinkommt. Das spart Wochen Umstrukturierung.

Lass dich interviewen, nicht briefen.

Claude stellt die richtigen Fragen und legt die Antworten richtig ab. Besser als alleine vor dem leeren Dokument.

Das System lebt durch Routinen, nicht durch Dateien.

5 Minuten Check-in am Morgen machen den Unterschied zwischen einem Ordner und einem Arbeitspartner.

Glossar

Context Engineering — Die Umgebung gestalten, in der eine KI denkt. Nicht Prompts schreiben, sondern Kontext-Architektur bauen.

Compound-Effekt — Jeder Output füttert den nächsten. Aufwand sinkt mit jedem Durchlauf.

KnowledgeOS — Persönliches Betriebssystem für berufliches Wissen, strukturiert in drei Schichten.

Second Brain — Konzept von Tiago Forte: Digitales Wissensmanagementsystem als Erweiterung des Gedächtnisses.

Single Source of Truth — Jede Information existiert genau einmal. Änderungen an einer Stelle, viele Outputs.

Zettelkasten — Notizsystem von Niklas Luhmann: Vernetzte Einzelnotizen statt lineare Sammlungen.

AI & Productivity March 24, 2026 · 7 min read

My knowledge has an architecture. And an AI that knows it.

My professional knowledge was scattered: in old slide decks, email threads, my own head. Every time I wanted to update my CV, I started from scratch. So I built a system — a personal operating system for my professional knowledge. It lives in Obsidian, is version-controlled with Git, and Claude (my AI assistant) works within it as an integral part. Getting started takes an afternoon. The full system grows over weeks. It saves me hours on every output.

The principle: Three layers, one source

Sensemaking Layer 3

Recognizing patterns, contextualizing decisions, reflecting strategically.

Identity Layer 2

Skills, projects, career timeline — Single Source of Truth for CV, applications, LinkedIn.

Knowledge Layer 1

Domain knowledge independent of me: methods, frameworks, case studies.

The idea is not new — Luhmann demonstrated with his Zettelkasten that networked notes are more valuable than linear collections¹, and Forte digitized the concept with "Building a Second Brain"². My system adds the AI layer. The principle that holds everything together: Every piece of information exists exactly once. My CV references projects and skills — when something changes, I change it in one place.

How to get started

01

Set up the base structure

Install Obsidian, create five folders — and add a README.md in each one that explains what belongs there and what does not. The READMEs are critical: they help not just you, but also the AI understand where each piece of information should live.

00_SYSTEM/ Rules & routines
20_IDENTITY/ Who am I professionally?
30_KNOWLEDGE/ What do I know?
25_SENSEMAKING/ Patterns, tensions, reflection
02

Bring in Claude and let it interview you

Do not sit alone in front of an empty document. Show Claude the folder structure and say: "Interview me. Ask the right questions to populate about_me.md and skills.md." Claude asks, you answer, Claude files the information correctly. Then write a CLAUDE.md together — for example:

I am a product manager with 13 years of experience.
My CV lives in 20_IDENTITY/06_Außendarstellung/cv-site/.
When writing from my perspective, read the Writing Style Guide first.
Suggest changes, but only implement what we have discussed.
Offer to commit & push when something is ready.
03

Set up your first routine with Claude

Five minutes every morning: open Claude, review the weekly plan, set three priorities. This is the first reusable workflow — a check-in that Claude runs with you. Same questions, every morning. This is what turns a folder into a living system.

04

Let it grow organically

When you find yourself explaining the same thing to Claude repeatedly, write it down and store it in 00_SYSTEM/. When you have a recurring workflow, document it as a reusable routine. Do not try to plan everything upfront.

What evolves over time

With every passing week, a control system grows around the base structure. Claude does not simply read all files — it operates across four layers that emerge organically:

Always loaded

CLAUDE.md

Lives and grows with you. 20+ changes in 3 months.

On demand

Rules

Emerge when you notice: "I keep explaining this over and over."

On command

Workflows

Born from routines. E.g. morning check-in.

For the future

Memory

Claude remembers your work style and preferences.

At its core, this is Context Engineering⁴: not writing better prompts, but designing the environment in which the AI thinks. The entire system is deliberately tool-agnostic — plain Markdown, git-versioned, no proprietary formats. Claude is my interface today, but the architecture does not depend on it. The knowledge should outlast any single tool.

The compound effect: Why the investment pays off

The value does not show on the first output — it shows on the second. Building my CV from scratch used to take well over a day: reconstructing projects, finding the right phrasing, sorting skills. With the KnowledgeOS, the foundation was there, but it was still real work: over 8 hours for the first proper CV. Then came the personal website — technically more complex, but done in 2 hours. Because the positioning, the skills, and the design system already existed.

First output: CV

8+ hours

Web-based, with DE/EN language switch, print function, and automatic updates when new skills or roles are added.

Second output: Website

~2 hours

Positioning already existed. 80% of content was derivable. Compound effect.

This is the compound effect³: every output feeds the next one. And the system does not stop at documents. What I already do today: learning gaps are automatically identified and channeled into learning routines. Articles emerge from insights gathered during daily work. GitHub issues and Linear tickets are driven from the weekly plan. What I am exploring next: collaboration with colleagues who also use AI assistants — when two systems share the same context, a new form of collaboration emerges.

What I changed

My workday used to be fragmented: thinking strategy, then sketching wireframes, then writing stakeholder emails, then analyzing user research. All in different tools, with different contexts. Today, these disciplines run through the same system. Claude knows my product thinking, my writing voice, and my technical capabilities — simultaneously.

In practice, this means: I reflect on strategic decisions in structured dialogues with Claude, build functional prototypes in HTML and Tailwind without a developer, and write articles that Claude checks against my style guide. PM, UX, and Dev interlock because the system holds the context — not because I can do everything at once, but because Claude can translate between disciplines. What did not work: giving Claude too much freedom. Without clear rules, it restructured files, duplicated content, and made changes on its own. Every one of my working rules was born from a specific problem. And early on, I fell into the AI productivity trap: generated over 100 files, reused two of them. The system only became productive when I stopped documenting everything — and started maintaining only what was genuinely useful.

Critical assessment

The system requires maintenance. Stale context does not just leave the AI empty-handed — it actively leads it astray, working from assumptions that no longer hold. Anyone who does not regularly clean up is building a system that works against them, not for them. And the setup costs real time: roughly 30 hours, spread over weeks. If you are not willing to invest that time and maintain the system on an ongoing basis, you will not see any benefit.

AI as a work assistant is no longer optional. Entering meetings more prepared because the prototype already exists. Prioritizing more cleanly because the data is structured. Delegating admin tasks instead of doing them yourself. Combining disciplines that one person could never master in parallel. My three-layer logic is individual — but the principle of structuring your knowledge so that an AI can work with it is universally applicable. The specific architecture is something everyone has to find for themselves.

What stays with you every day

Structure first, content second.

Folders, READMEs, and CLAUDE.md are in place before the first piece of content goes in. This saves weeks of restructuring.

Let yourself be interviewed, not briefed.

Claude asks the right questions and files the answers correctly. Better than sitting alone in front of an empty document.

The system lives through routines, not through files.

A 5-minute morning check-in is what turns a folder into a working partner.

Glossary

Context Engineering — Designing the environment in which an AI thinks. Not writing prompts, but building context architecture.

Compound effect — Every output feeds the next one. Effort decreases with each iteration.

KnowledgeOS — A personal operating system for professional knowledge, structured in three layers.

Second Brain — Concept by Tiago Forte: a digital knowledge management system as an extension of memory.

Single Source of Truth — Every piece of information exists exactly once. Change in one place, many outputs.

Zettelkasten — Note-taking system by Niklas Luhmann: networked individual notes instead of linear collections.